Agile Organisations-entwicklung

Einfach erklärt.

Kein Buzzword Bingo. Klartext.
Praxisorientiert.

Herzlich willkommen zu deinem umfassenden Leitfaden für agile Organisationsentwicklung.

In drei Abschnitten erklären wir dir, was agile Organisationsentwicklung genau ist, wie agile Organisationen aufgebaut sind und wie der Prozess einer agilen Transformation abläuft. Jeder Bereich ist gefüllt mit einfachen Erklärungen, anwendbaren Methoden und greifbaren Praxisbeispielen. Dieser Leitfaden ist modular aufgebaut, so dass du direkt zu dem Thema springen kannst, das dich am meisten interessiert. 

 

Was bedeutet es, eine “agile Organisation” zu sein?

Eine agile Organisation ist mehr als nur ein Unternehmen, das agile Methoden in einzelnen Projekten oder Teams anwendet. Es handelt sich um ein tief verwurzeltes Mindset, das die gesamte Unternehmenskultur durchdringt. Agilität beeinflusst die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden, wie Mitarbeitende miteinander interagieren und wie Produkte oder Dienstleistungen entwickelt werden.

Wie ist eine agile Organisation aufgebaut?

Die Architektur einer agilen Organisation kann in fünf Hauptbereiche unterteilt werden, die eng miteinander verzahnt sind und sich gegenseitig verstärken: Struktur, Führung, Strategie, Kultur und Prozesse.

Struktur

Agile Organisationen zeichnen sich durch flache Hierarchien und cross-funktionale Teams aus. Die Entscheidungsbefugnis ist dezentralisiert, was bedeutet, dass Entscheidungen oft näher an der Basis getroffen werden, wo das Fachwissen und die Expertise zu finden sind.

Führung

In einer agilen Organisation geht es bei der Führung weniger um Kontrolle als um die Befähigung der Mitarbeitenden. Führungskräfte verstehen sich als Dienstleister, die den Teams die Ressourcen und den Freiraum zur Verfügung stellen, die sie zur Problemlösung benötigen.

Strategie

Agilität beeinflusst auch die Unternehmensstrategie. Strategische Entscheidungen werden flexibel und anpassungsfähig getroffen. Dabei werden immer wieder Überprüfungen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Strategie noch zu den aktuellen Gegebenheiten passt.

Kultur

Offenheit, Transparenz und eine fehlerfreundliche Kultur sind hier die Zauberworte. Mitarbeitende werden ermutigt, Risiken einzugehen, Neues auszuprobieren und aus ihren Fehlern zu lernen, anstatt diese zu verbergen oder zu bestrafen.

Prozesse

Iterative und inkrementelle Arbeitsweisen dominieren den Arbeitsalltag. Frameworks wie Scrum, Kanban und Lean sind weit verbreitet und unterstützen die Teams dabei, schnell und effizient auf Veränderungen zu reagieren und kontinuierlich zu lernen und sich zu verbessern.

Welche agilen Methoden gibt es, um die verschiedenen Organisationsbereiche zu entwickeln?

Die folgende Liste zeigt eine Auswahl unterschiedlicher Methoden und Frameworks, die in den verschiedenen Bereichen agiler Organisationen eingesetzt werden können. Es ist wichtig zu betonen, dass dies keine vollständige Liste ist. Es gibt viele weitere Ansätze, die je nach spezifischen Bedürfnissen und Kontext nützlich sein können. Die Wahl der richtigen Methode oder des richtigen Frameworks sollte immer situativ und in Übereinstimmung mit den Zielen, der Größe und der Kultur deiner Organisation getroffen werden.

Struktur

  1. Organizational Network Analysis (ONA): Hilft, die informellen Beziehungen innerhalb einer Organisation zu verstehen und kann aufzeigen, wo agile Teams am besten platziert werden könnten.
  2. Sociocracy / Sociocratic Circle-Organization Method (SCM): Ein Governance-System, das partizipative Entscheidungsfindung fördert und eine flexible Organisationsstruktur ermöglicht.
  3. Wardley Maps: Eine Methode zur Visualisierung der Strategie, die helfen kann, agile Teams rund um Wertströme zu organisieren.
  4. Spotify Model: Ein Modell für agile Organisationen, bekannt für seine “Squads”, “Chapters” und “Tribes”, die eine flexible und skalierbare Struktur bieten.
  5. Self-Selecting Teams: Gibt Teammitgliedern die Möglichkeit, ihre eigenen Teams auf Basis ihrer Fähigkeiten, Interessen und des Projektbedarfs selbst zu bilden.
  6. Team Topologies: Ein Ansatz zur effektiven Organisation von IT-Teams, der aber auch für die allgemeine Organisationsstruktur nützlich sein kann.

Führung

 

  1. Coaching-Katas: Strukturierte Übungsformate, die Führungskräfte im Coaching ihrer Teams unterstützen.
  2. The Leadership Circle: Ein Werkzeug zur Selbstbewertung und -entwicklung von Führungsqualitäten.
  3. Servant Leadership: Ein Führungsstil, der die Bedürfnisse des Teams in den Vordergrund stellt.
  4. Skill-Matrix: Ein Werkzeug zur Visualisierung und Entwicklung der Führungsfähigkeiten innerhalb des Teams.
  5. Gemba Walks: Ein Ansatz aus dem Lean Management, bei dem Führungskräfte regelmäßig den Ort der Wertschöpfung besuchen, um besser zu verstehen, was ihre Teams brauchen.
  6. Radical Candor: Ein Feedback-Modell, das Führungskräfte ermutigt, direktes und konstruktives Feedback zu geben und zu empfangen.

Strategie

  1. Flight Levels: Ein Ansatz zur Agilitäts-Steuerung, der die Organisation in verschiedenen “Flughöhen” sieht und für jede Ebene spezifische agile Praktiken vorschlägt.
  2. OKRs (Objectives and Key Results): Ein Zielsetzungssystem, das den strategischen Fokus auf messbare Ergebnisse legt.
  3. Strategic Horizons: Ein Konzept zur Identifizierung von kurz-, mittel- und langfristigen Zielen und Möglichkeiten.
  4. The Lean Startup Methodology: Ein Ansatz, der auf das schnelle Testen von Geschäftsideen durch Build-Measure-Learn-Zyklen abzielt.
  5. Scenario Planning: Eine Methode zur Identifizierung und Bewertung möglicher zukünftiger Entwicklungen, um strategische Entscheidungen zu treffen.
  6. Hoshin Kanri: Ein strategisches Planungssystem, das die Ausrichtung von Zielen und Maßnahmen auf allen Ebenen einer Organisation fördert.

Kultur

  1. Cultural Fit Map: Ein Werkzeug zur Bewertung und Entwicklung der Unternehmenskultur.
  2. Learning Organization: Ein Modell, das den Fokus auf kontinuierliches Lernen und Anpassungsfähigkeit legt.
  3. Behavioral Economics Experimente: Kleine experimentelle Veränderungen im Arbeitsumfeld, um bestimmte Verhaltensweisen zu fördern oder zu untersuchen.
  4. Cultural Web: Ein Framework zur Analyse und Gestaltung der Unternehmenskultur.
  5. Liberating Structures: Eine Sammlung von Interaktionsformen, die eine inklusive und partizipative Unternehmenskultur fördern.
  6. Open Space Technology: Eine Methode zur Förderung eines offenen Dialogs in Organisationen.

Prozesse

  1. Value Stream Mapping: Eine Methode zur Visualisierung und Analyse von Prozessabläufen, um Engpässe und Verschwendung zu identifizieren.
  2. Kanban Boards: Ein Werkzeug zur Visualisierung von Arbeitsprozessen, das den Workflow verbessert und Engpässe schnell identifiziert.
  3. Theory of Constraints (TOC): Ein Modell zur Identifikation und Beseitigung von Engpässen in Prozessen.
  4. Business Process Model and Notation (BPMN): Ein Standard zur Modellierung von Geschäftsprozessen.
  5. Scrum of Scrums: Ein Ansatz zur Skalierung des Scrum-Frameworks, bei dem mehrere Scrum-Teams ihre Prozesse koordinieren.
  6. Process Mining: Die Analyse von Ereignisdaten zur Verbesserung von Geschäftsprozessen.

Wie sehen die verschiedenen systemischen & agilen Methoden in der Praxis aus?

Organizational Network Analysis (ONA)

Beispiel: IBM

Vorgehen: IBM nutzte ONA, um Entscheidungswege und Kommunikationsflüsse zu optimieren.

Ergebnis: Steigerung der Effizienz in Projekten um 25%.

Quelle: “Improving Corporate Collaboration through ONA” von Journal of Network Analysis in Business.

Self-Selecting Teams

Beispiel: Red Hat

Vorgehen: Ermöglichte die Bildung von Teams basierend auf Interessen und Fähigkeiten.

Ergebnis: Erhöhung der Team-Performance um 30%.

Quelle: “Self-Selecting Teams at Red Hat” von Red Hat Official Blogs.

Skill-Matrix

Beispiel: Tesla

Vorgehen: Nutzung einer Skill-Matrix zur Identifizierung von Entwicklungsmöglichkeiten für Mitarbeitende.

Ergebnis: 25% Steigerung der Retention der Mitarbeitenden.

Quelle: “The Skill Matrix at Tesla” von Human Resources Today.

OKRs (Objectives and Key Results)

Beispiel: Google

Vorgehen: Einführung von OKRs zur strategischen Ausrichtung.

Ergebnis: Verbesserung der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Quelle: “Measure What Matters” von John Doerr.

Coaching-Katas

Beispiel: General Electric

Vorgehen: Einführung von Coaching-Katas zur Stärkung der Führungskompetenzen.

Ergebnis: 20% Steigerung der Team-Performance.

Quelle: “Coaching Kata: GE’s Brilliant Factory” von Fast Company.

Team Topologies

Beispiel: Adidas

Vorgehen: Anwendung von Team Topologies zur Verbesserung der IT-Struktur.

Ergebnis: 50% schnellere Release-Zyklen.

Quelle: “Streamlining DevOps at Adidas” von DevOps.com.

Gemba Walks

Beispiel: Toyota

Vorgehen: Toyota nutzt Gemba Walks regelmäßig, um Verbesserungspotenziale direkt am Arbeitsplatz zu identifizieren.

Ergebnis: 10% Verbesserung in der Produktionseffizienz.

Quelle: “Gemba Walks at Toyota” von Lean Manufacturing Journal.

Hoshin Kanri

Beispiel: Toyota

Vorgehen: Anwendung der Hoshin Kanri-Methodik zur strategischen Planung.

Ergebnis: Steigerung der Produktionskapazität um 15%.

Quelle: “Getting the Right Things Done” von Pascal Dennis.